Nichts charakterisiert die Menschen und die Völker so sehr, wie ihr Verhalten angesichts der Umstände, in denen sie leben. Diejenigen, die sich entscheiden, Geschichte zu schreiben und den Lauf der Dinge selbst zu ändern, sind denen voraus, die ohne etwas zu tun auf Veränderungen warten..
José María Arizmendiarrieta
(Gründer und Vorantreiber des Mondragon-Genossenschafts-Projekts)
Das Umfeld
Wie andere Regionen hat auch das Baskenland im Laufe seiner Geschichte verschiedene wirtschaftliche Aktivitäten auf der Grundlage der Zusammenarbeit entwickelt. Ein Beispiel für die beschriebenen Aktivitäten sind die vereinzelt praktizierten Nachbarschaftsprojekte „Hauzo Lan“, oder die an die Landwirtschaft angelehnten Gemeinschaftsprojekte, aus denen sogar Gemeinschaftsaktivitäten in Institutionen hervorgehen, die entscheidend für die baskische Wirtschaft sind, wie beispielsweise die Fischerzünfte oder der organisierte Anbau auf gemeinsamem Land.
Durch die Industrielle Revolution nahm die Bedeutung dieser Praktiken und Institutionen allerdings deutlich ab. Zum gleichen Zeitpunkt entstanden jedoch neue Beispiele für wirtschaftliche Aktivitäten im Rahmen einer Zusammenarbeit. Ein Beispiel hierfür sind die Verbrauchergenossenschaften, die im Großraum Bilbao entstanden sind sowie die Industrieproduktionsgenossenschaften, wie beispielsweise das von den Sozialisten ins Leben gerufene Unternehmen Eibarresa Alfa.
Jedoch erlitten sowohl die derzeitigen praktischen Erfahrungen wie auch die dahinter stehende theoretische Arbeit durch das Ausbrechen des Spanischen Bürgerkrieges (1936-39) einen derben Rückschlag. Das Ende des Bürgerkrieges bedeutete einen deutlichen Rückschlag in der Entwicklung dieser Gemeinschaftsprojekte, wodurch das Baskenland in eine tiefe wirtschaftliche und soziale Krise stürzte.
José María Arizmendiarrieta

Vor diesem Hintergrund kam José María Arizmendiarrieta, ein junger Priester, der in der Ortschaft Marquina, Provinz von Biskaya, geboren wurde, 1941 nach Mondragón.
Der Pragmatiker José María Arizmendiarrieta, der ein enormes Arbeitsvermögen besaß, spielte stets die Rolle des Vorreiters und ständigen Ermutigers des Genossenschaftsprojektes von Mondragón. Bis zu seinem Tod 1976 war er das lebende Beispiel für alle Genossenschaftler.
Die ersten Schritte
José María Arizmendiarrieta gründete 1943 eine Berufsakademie, die heutige Polytechnische Hochschule von Mondragón. Diese Lehreinrichtung genießt eine demokratische Verwaltung und steht allen Jugendlichen der Region offen. Die Polytechnische Hochschule von Mondragón spielte eine wichtige Rolle bei der Entstehung und späteren Weiterentwicklung des Genossenschaftsprojektes.
1956 gründeten 5 Absolventen dieser Hochschule in Mondragón das erste produktive Unternehmen der heutigen Gesellschaft. Bei diesem Unternehmen handelte es sich um ULGOR (heute Fagor Electrodomésticos), dass sich in seinen Anfangsjahren der Herstellung von heizölbetriebenen Öfen und Herden widmete.
Entwicklung
ULGOR, Arrasate (Fagor Arrasate) und das aktuelle Unternehmen Eroski entstanden in dieser Region am Ende der fünfziger Jahre. Inspiriert von einem Gemeinschaftsgeist waren es diese Unternehmen, die 1959, im Jahr des Gründungsplanes, die Kreditgenossenschaft Caja Laboral Popular, eine wahre Genossenschaftsbank und Schlüsselfaktor in der Entstehung von integrierten Genossenschaften des Mondragonprojektes, gründeten.
In den kommenden Jahren wurden viele Genossenschaften gegründet. So entstanden unter anderem Fagor Electronica, Fagor Ederlan und Danobat. Außerdem bildete sich der Geschäftsbereich für Unternehmen der Caja Laboral heraus, der eine wichtige Stütze für viele neue Unternehmen und die Grundlage der späteren Entwicklung von MONDRAGON darstellen sollte.
Die Siebziger Jahre dienten der Gründung von neuen Genossenschaften und der Festigung der bereits bestehenden Genossenschaften. Die Gründung des Technologischen Forschungszentrums Ikerlan bedeutete einen enormen Fortschritt auf dem Gebiet der Forschung und der Entwicklung.
In den Achtzigern stand besonders die Weiterentwicklung der Mondragón Corporación Cooperativa im Mittelpunkt, und zwar als Antwort auf die Herausforderung, die die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die Globalisierung der Wirtschaft, darstellten. Die Genossenschaften, die bis dahin nach Regionen zusammengefasst waren, wurden nun neu, ihren Erzeugnissen entsprechend in Sektoren aufgeteilt.
In den neunziger Jahren und unter der Schirmherrschaft der MONDRAGON wurde die Universität von Mondragón gegründet. Hierbei handelt es sich um eine private Universität, die sich ganz besonders dem Bedarf der Wirtschaft widmet. Auch in den letzten Jahren kam es zu einem beeindruckenden Umsatzzuwachs, der besonders auf den starken Anstieg der Internationalisierung zurück zuführen ist. Gegenwärtig verfügt die MONDRAGON über 38 Industrieanlagen im Ausland. Diese Zahl soll bis 2005 auf 60 Anlagen erhöht werden.
Heute, fast ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung ist die Mondragón Corporación Cooperativa sowohl durch ihren Umsatz als auch durch die Zahl ihrer Arbeitnehmer zur bedeutendsten wirtschaftlichen Gemeinschaft im Baskenland und zur siebtwichtigsten Gemeinschaft in ganz Spanien geworden.
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